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Kolumne: 1. Advent: In der Kürze liegt die Würze

Tjark Michael Wewetzer, am 01.12.2013, Seite 1 von 1

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Videospiele sind ein Luxusgut. Immerhin legen wir für ein brandaktuelles Erzeugnis der Software-Industrie gerne mal je nach System 40 bis 70 Euro auf die Theke. Da ist es nur verständlich, dass man für dieses Geld auch reichlich geboten bekommen möchte. Bei vielen Zockern schlägt sich das in Form der Spielzeit aus. Gefragt wird schlicht und ergreifend, wieviele Spielstunden pro Euro man aus dem Deal herauskitzelt. Aus genau diesem Grund liest man bei vielen hochkarätigen Titeln in den User-Kommentaren heutzutage auch Beiträge, die diese Denkweise widerspiegeln. „Schaut ja klasse aus, aber nach fünf bis zehn Stunden ist Feierabend? Für 60 Tacken? Nicht mit mir!“, heißt es da schon mal. Gerade im Angesicht des modernen Tripple-A-Gamings lamentiert man die immer häufiger werdenden Kurzspiele, deren Wert man angesichts der unzähligen günstigeren Alternativen nicht selten infrage stellt.

Aber um hier mit offenen Karten zu spielen: Zu diesen Personen zähle ich mich nicht. Nein, auch für ein kurzes Spiel bin ich gerne mal gewillt, den Vollpreis auf die Theke zu legen – ich habe das sogar schon einige Male gemacht. Und es gibt so einige Fälle, in denen mir ein kurzes Vergnügen wesentlich lieber ist als ein ewig langes.


Der Mythos „Früher war alles länger“
Gerne schreibt man diese Kurzspiel-Seuche, die uns heimsucht, der modernen Videospiellandschaft zu. Dabei ist das weder ein neues Phänomen noch eines, das irgendwann abhanden kam. Klassiker wie Castlevania auf dem NES, Lylat Wars, Kirby's Dream Land oder Super Metroid sind allesamt locker in einer Hand voll Stunden schaffbar. Andere Titel, etwa Super Hang On auf dem Mega Drive oder so ziemlich jedes Shoot 'em Up unter der Sonne, stellten sogar Bestleistungen vor einen richtigen Spielabschluss und waren für diejenigen, die es nur „durchspielen“ wollten, eine kurze Angelegenheit. Selbst die gefeierten Rollenspiel-Klassiker von damals sind in Spielzeiten schaffbar, bei denen der moderne, Skyrim-verwöhnte Spieler nur mit den Augen rollen würde. Final Fantasy VI für das SNES zum Beispiel ist locker mit einer Spielzeit im 20-Stunden-Bereich packbar.


Und trotzdem erinnern wir uns mit Freuden an diese Abenteuer. Vielleicht liegt es daran, dass wir sie in unserer Kindheit entdeckt haben. Vielleicht haben wir uns damals auch einfach anders mit diesen Spielen beschäftigt. Während heutzutage der Gebrauchthandel floriert und auch prominent beworben wird – den GameStops und anderen Videospielfachgeschäften dieser Welt sei Dank – haben nicht wenige gestandene Zocker damals ihre Lieblinge nach dem ersten Abschluss einfach erneut durchgespielt. Nicht etwa weil irgendeine Belohnung lockte. Einfach nur, weil es Spaß macht.


Die richtige Motivation
Gerade moderne Publisher sind angesichts des Second-Hand-Markts derzeit besorgt. So sehr sogar, dass an vielen Enden schon mit Gebrauchtspiel-Sperren geliebäugelt wurde. Sie wollen den Kunden an ihre Spiele binden und verlassen sich bereits jetzt auf einige Tricks in dieser Beziehung. Mit zusätzlichen, nachgeschobenen Download-Inhalten will man die Spieler dazu animieren, den Titel zu behalten und später wieder zu entstauben. Multiplayer-Modi sollen sogar dafür sorgen, dass sie es gar nicht mehr aus der Hand legen. Leider treibt Variante A die Kosten in die Höhe – sowohl von Entwickler- als auch von Spieler-Seite – und Methode B scheitert an der endlichen Anzahl an Spielern. Denn mal ehrlich: Wer möchte denn schon Teil einer toten Multiplayer-Community sein? Ich warte ja heute noch auf einen Online-Gegner in We Love Golf für die Wii…


Was die Publisher, Entwickler und vielleicht auch die Spieler ein wenig aus den Augen verloren zu haben scheinen: Warum haben wir eigentlich damals nicht im großen Stil unsere abgeschlossenen Spiele weiterverhökert? Es kann nicht nur daran gelegen haben, dass der Gebrauchthandel noch nicht so etabliert war wie heute. Nein, vielmehr hoffte man, den Spieler durch ansprechendes Game Design auf seine Seite zu ziehen. Dass er es nicht einfach nur durchzockt, um den Abspann zu sehen und es bei der nächsten Gelegenheit im nahe gelegenen Fachgeschäft abzusetzen. Vor allem bei den kürzeren Spielen erlebe ich es immer wieder, dass ich mich nach Spielabschluss hinsetze und sofort die zweite Runde starte – vorausgesetzt natürlich, es ist auch gut. Auf diese Weise habe ich Spiele wie Pikmin oder Viewtiful Joe mittlerweile so oft durchgezockt, dass ich nicht einmal mehr die genaue Anzahl meiner Durchläufe kenne.


Lieber kurz und kurzweilig als lang und langweilig
Gerade die Abenteuer des Film-Geeks Joe würden dabei heute wahrscheinlich unzählige Spieler aufgrund der extrem kurzen Spielzeit abschrecken. Mittlerweile habe ich das Sidescroll-Beat-'em-Up nämlich dermaßen im Blut, dass ich es locker in rund drei Stunden beenden kann – nicht selten sogar komplett in einem Abwasch. Aber ich mache es gerne und lege es praktisch im Jahrestakt in meine Wii, um einfach mal abzuschalten und Spaß zu haben. Cave Story ist auch ein gutes Beispiel für so ein Phänomen. Allein in der letzten Jahreshälfte von 2011 habe ich dieses ebenfalls recht kompakte Werk – je nach Können und Schwierigkeitsgrad zwischen fünf und zehn Stunden Spielzeit – statte fünf Mal durchgezockt. Warum? Wie bei Viewtiful Joe: Weil mir das kurze, rasante und sauber spielbare Jump 'n' Run im Metroidvania-Stil einfach dermaßen viel Freude bereitet hat.


Sowas ist mir immer wesentlich mehr wert als pure Spielzeit. Mir ist es völlig gleichgültig, dass etwa Pikmin 2 um ein Vielfaches umfangreicher ist als sein nicht mal 10 Stunden langer Vorgänger. Dieser Umfang wird durch eine Vielzahl meiner Ansicht nach öder Höhlen-Level erkauft, die mich immer wieder unschön aus dem Spiel gerissen haben. Mario & Luigi: Superstar Saga für den GBA war mit knapp 15 Stunden für ein RPG auch ziemlich knapp bestückt – die DS-Nachfolger waren ebenfalls nicht gerade umfangreicher. Allerdings fühlte sich im ersten Ableger alles noch nicht so derartig nach Zeitverschwendung an, wie es bei den übermäßig HP-starken Bossen der späteren Spiele und den zahlreichen, sich wiederholenden Minispielen von Abenteuer Bowser der Fall ist. Fürs Protokoll: Superstar Saga habe ich um die zehn Mal durchgespielt, die beiden Fortsetzungen jeweils einmal. Und wenn ich dann schon mitkriege, dass Dream Team Bros. sogar 30 Stunden lang dauern soll, wird mir angesichts dieses Trends schon Angst und Bange.


Der Wonderbra für Ihre Spielzeit
Denn fassend wir uns mal ans Herz: Wie werden eigentlich Spielzeiten im zwei- bis dreistelligen Bereich erkauft? In der Regel durch eine riesige Schippe Füllmaterial. Sei das das EP-Sammeln in Rollenspielen, das Beschaffen von irgendwelchen, für den Handlungsverlauf entscheidenden Gegenständen oder ausschweifende Dialoge in einem Spiel, wo sie nichts zu suchen haben oder nur wenig zur Situation beitragen. Klar habe ich in einen meiner Spielstände von Fire Emblem: Awakening gut und gerne 100 Stunden gesteckt, viele davon waren aber nichts weiteres als vorbereitendes Levelgrinding für die richtig harten DLC-Herausforderungen. Natürlich ist The Legend of Zelda: Skyward Sword mit über 30 Stunden defitnitiv länger als zum Beispiel Ocarina of Time (~20 Stunden), aber wenn zur dritten Staffel der Sammel-Quests ausgerufen wird, kommt man sich doch ein wenig veralbert vor. Und Castlevania 2 auf dem NES war ohne Zweifel zeitaufwändiger Vorgänger, dies allerdings auch nur, weil man für hilfreiche Items Herzen (die hier als Währung fungieren) sammeln und lange Laufwege hinter sich bringen muss.


Dass solche Mechanismen nicht immer gut ankommen, haben manche Entwickler auch bereits erkannt. Square Enix und Silicon Studio zum Beispiel haben auf Basis von Spieler-Feedback kürzlich zahlreiche Verbesserungen an dem Rollenspiel Bravely Default vorgenommen, die dem Spielfluss zugute kommen sollen. Und auch wenn ich aus bestimmten Gründen, die ich des Spoilerschutzes wegen nicht genauer erläutern möchte, nicht ganz der Ansicht bin, dass dies einhundertprozentig gelungen ist, muss ich gestehen: dank der Verbesserungen wurde das Spiel deutlich entschlackt. Die eintönigen Dungeons, die man – sofern man auf Vollständigkeit aus ist – im Laufe des Abenteuers häufiger durchstreifen muss, werden schlicht und ergreifend angenehmer, wenn man sich dabei nicht alle fünf Schritte über Zufallskämpfe aufzuregen hat. Auch die Gefechte selbst sind dank der einstellbaren Spielgeschwindigkeit verkraftbarer. Natürlich kann man es auch unter Standard-Bedingungen durchspielen und so auf die vielleicht 80 bis 100 Stunden des japanischen Originals kommen. Wer aber Spaß haben möchte anstatt ständig wartend auf den Bildschirm zu starren und genervt Zufallskampf um Zufallskampf hinter sich zu bringen, kann entsprechend an den Reglern des Spiels... naja, spielen und so die Abschlusszeit auf gut und gerne 50 Stunden kürzen.


Es kommt nicht auf die Länge an
Es muss also gar nicht ein schlechtes Zeichen sein, wenn ein bestimmtes Spiel innerhalb weniger Stunden vorbei ist. Gerade seit dem schlichtweg genialen Portal (2 Stunden) denke ich mir bei negativen Reaktionen bezüglich der Spielzeit immer wieder den selben Satz: Es wurden schon großartigere Geschichten in einer kürzeren Zeitspanne erzählt. Wenn ich mich von einem Spiel hintergangen fühle, nur weil es bereits nach weniger als zehn Stunden vorüber ist, dann stelle ich mir unweigerlich die Frage, ob es eigentlich überhaupt dermaßen gut war. Denn wenn ich danach keine Lust verspüre, es noch einmal von vorn anzugehen, wenn es also nur beim ersten Mal funkt – kann es wirklich auf Dauer bestehen?

Ich kann natürlich trotzdem jeden verstehen, der sich seine Spielebibliothek nach der notwendigen Zeit aussucht. Wie eingangs angemerkt: Videospiele sind ein Luxusgut. Die 40 bis 70 Euro, die neues Spiel kosten kann, sind nicht gerade wenig. Aber dennoch wird zumindest in meinem Herzen immer ein Platz für die kurzen und dafür richtig guten Spiele sein. Denn wie besagt so schön ein altes Sprichwort: In der Kürze liegt die Würze.

Hat noch ein Date mit Viewtiful Joe: Tjark Michael Wewetzer [Alanar] für PortableGaming.de

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2 Kommentare

profil 280 comments
[01.12.2013 - 23:41 Uhr]
syko:
Was wartest du auch auf Online Gegner bei der wii.
Wir haben doch Everybodys Golf wo man Rundenbasierte Herausforderungen spielen kann auf der Vita ;)
profil 968 comments
[05.12.2013 - 11:00 Uhr]
One
Michael? Einfach perfekt ^___^
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