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Spielname:
Virtue's Last Reward

Typ:
PSVita-Spiel

Publisher:
Rising Star Games

Developer:
Spike Chunsoft

Genre:
Adventure

Release:
15.03.2013 (erschienen)

Multiplayer:
nicht vorhanden

Altersfreigabe:
Frei ab 16 Jahre

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Review: Virtue's Last Reward

Tjark Michael Wewetzer, 01.01.2013

11k°

24

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Es war eine scheinbar ausweglose Situation, in die ich hineingeraten bin. Hastig blickte ich umher, doch ohne Erfolg. Es gab wirklich nur eine Option. Ich musste in den vor mir liegenden PC einen Testbericht zur Visual Novel Virtue's Last Reward eintippen. Erst dann würde der Bildschirm ein Passwort anzeigen, mit dem ich an den rettenden Schlüssel für die Tür dieser kleinen Kammer käme. Irgendwie kam mir diese Situation bekannt vor. Waren wir hier nicht schon mal? Klar, damals ging es um das erste Spiel der nun Zero Escape getauften Reihe. Warum aber fand ich mich hier nun wieder in einer solchen Situation – gerade wo doch Volume 2 für Deutschland verzögert starten sollte? Doch es half nichts, darüber nachzudenken. Ich vergeudete keine Zeit mehr mit sinnlosen Theorien und ergab mich meinem Schicksal. Langsam schritt ich an die Tastatur vor dem Monitor, legte meine Finger auf die Tasten, blickte auf den Bildschirm... und begann zu tippen.

Entführt
Es ist Weihnachten, ihr hüpft in euer Auto, wollt euch auf den Weg machen, doch die Karre springt einfach nicht an. Stattdessen befördert euch ein im Wagen austretendes Gas in den Schlaf und nach eurem Erwachen findet ihr euch zusammen mit einem euch unbekannten Mädchen in einem Aufzug wieder – der zu fallen droht. Und nur durch das Lösen eines Rätsels könnt ihr die rettende Tür öffnen. Klingt nach einer ziemlich unschönen Situation, nicht wahr? Genau in dieser befindet sich jedoch Protagonist Sigma, dessen Kontrolle ihr in Virtue's Last Reward übernehmt. Und er ist nicht allein: Neben dem eben erwähnten Mädchen trifft er außerhalb des Lifts noch auf sieben weitere Personen, die entführt und in einer verlassenen Lagerhalle untergebracht wurden. Eine KI in Form eines weißen Kaninchens klärt die Truppe auf: Sie sind Teil des so genannten Nonary Games, ein Spiel auf Leben und Tod.

Um aus der Anlage zu entkommen, müssen sie insgesamt neun Punkte verdienen – nur dann können die Spieler das Ausgangstor mit einer aufgepinselten 9 öffnen. Der Haken dabei: Das Tor öffnet sich nur exakt einmal für einen kurzen Zeitraum und nur diejenigen, welche die geforderten Punkte eingefahren haben, können gefahrlos die Schwelle übertreten. Wer die Regeln bricht, stirbt. Wer keine Punkte mehr hat – jeder startet mit dreien – stirbt. Und hatten wir schon erwähnt, dass es mehr Punkte dafür gibt, seine Freunde zu verraten, wobei besagte Freunde dann Abzüge einstecken müssen? Es ist dieses Konzept, das Virtue's Last Reward als Grundlage für eine Geschichte über Vertrauen und Menschlichkeit nutzt. Und mehr als dieses wollen wir euch aus Spannungsgründen auch nicht vorwegnehmen.

Betrogen
Das wäre vor allem deswegen unklug, weil das Spiel vom Genre her von seiner Handlung lebt. Virtue's Last Reward ist eine Visual Novel. Das heißt, ihr seid für den Großteil des Spiels damit beschäftigt, Dialogen und Erzähltexten zu folgen. Lesefaule Naturen dürfen sich also gleich nach einem anderen Titel für ihre Ansprüche umschauen. Doch es wäre schade, das spannende Fluchtabenteuer deswegen komplett zu ignorieren. Denn wie kaum ein zweites Spiel macht es euch nach und nach mit den Akteuren der Geschichte bekannt, lässt euch in ihre Gedankenwelten einblicken und spielt darüber hinaus mit euren Erwartungen. All eure Erkenntnisse, die ihr aus den Gesprächen entnehmt, nutzt ihr dann wiederum für eine der großen Entscheidungsfragen, die euch an vorgegebenen Stellen gestellt wird: Vertraut ihr im Ambidex-Spiel, wo ihr euch entweder für ein Bündnis oder Verrat entscheidet und so über eure Punktzahl im Nonary Game bestimmt, eurem Spielpartner? Oder fallt ihr ihm in den Rücken, um schneller zum Ziel zu kommen?

Die Entscheidung solltet ihr auch nicht auf die leichte Schulter nehmen. Diese in Kombination mit den wenigen, offensichtlichen Abzweigungen im weiteren Handlungsverlauf bestimmen nämlich, auf welches der insgesamt 22 Enden ihr zusteuert. Davon mögen nicht alle bedeutend sein – bei vielen davon handelt es sich schlichtweg um schlechte Enden, die quasi das Visual-Novel-Äquivalent eines Game Overs sind – doch sie sind alle sehens- und lohnenswert. Vor allem, wenn man wirklich alles über die illustre Runde erfahren möchte, mit der man im Nonary Game gefangen ist. Anders als im Vorgänger 999: Nine Hours, Nine Persons, Nine Doors auf dem DS wirkt die Truppe auf dem ersten Blick ziemlich exzentrisch. Da haben wir etwa einen Mann ohne Gedächtnis in einer gewaltigen Rüstung, einen überraschend gewitzten Jungen mit ungewöhnlicher Kopfbedeckung oder eine Frau, die sich mit sehr... luftiger Kleidung im ägyptischen Stil begnügt. Schnell merkt ihr jedoch, dass der Schein trügt und jeder Geheimnisse birgt. Und diese sind der Schlüssel zu eurer Situation. Denn bei eurer Flucht wollt ihr schließlich auch herausfinden, wie und warum ihr in diesen Schlamassel geraten seid.

Eingesperrt
Ihr seid aber natürlich bei Virtue's Last Reward nicht nur mit Lesen beschäftigt. Auf eurem Weg in die Freiheit findet ihr euch gelegentlich in abgeschotteten Räumen wieder, aus denen ihr zu fliehen habt – und dann kommen die Adventure-Fans zum Zug. Ihr durchsucht eure Umgebung mit dem Front-Touchscreen nach brauchbaren Objekten, gabelt hilfreiche Hinweise auf und puzzelt euch so Schritt für Schritt zum rettenden Passwort durch, mit dem ihr an den rettenden Schlüssel kommt. Die Rätsel selbst sind dabei in der Regel eher simpel gestrickt und erfordern nur ein wenig logisches Denken. So wollen in einem frühen Puzzle etwa Tasten in einem Aufzug gemäß eines aushängenden Posters gedrückt werden, wodurch ihr eine Speicherkarte für ein Terminal erhaltet. Solltet ihr bei der Rätselei übrigens partout nicht weiterkommen, könnt ihr optional zusätzliche Hinweise einschalten, die eigentlich jeden Spieler auf die richtige Spur bringen sollten. Jeder Raum bietet darüber hinaus auch eine Bonus-Herausforderung, mit der ihr zusätzliche Informationen zur Welt von Zero Escape freischalten könnt – wobei wir euch von der frühzeitlichen Lektüre dringend abraten, da sich in den Mini-Dokumenten auch Spoiler befinden!

Leider hält sich der Schwierigkeitsgrad der Puzzles in Grenzen. Je nachdem, wie gut ihr mit Logik-Aufgaben klarkommt, sollte euch selbst ohne Hinweis-Flut schnell klar werden, wie der Hase läuft. Auch die Zusatz-Passwörter sind zumeist nicht allzu schwer versteckt. Adventure-Veteranen auf der Suche nach einer Herausforderung werden also weiter suchen müssen. Auch steuern sich die Flucht-Abschnitte ein wenig hakelig. So wirken die Touch-Eingaben mit dem Finger nicht immer präzise, was sich vor allem auf die Nutzbarkeit der Notiz-Funktion negativ auswirkt, und die Kontrolle per Analog-Stick und Aktionstasten fühlt sich eher schwammig als schön an. Mit einem Mix aus beiden Kontroll-Schemas haben wir eine angenehme Mitte finden können, optimal ist die Lösung aber nichtsdestotrotz nicht.

Ausgeschlossen
Immerhin hat man sich aber auch eines großen Schwachpunktes von 999 angenommen. Musste man bei dem DS-Teil noch das Spiel von vorne bis hinten und inklusive der immer selben Rätsel-Szenen komplett durchspielen, um ein anderes Ende sehen zu können, dürft ihr bei Virtue's Last Reward praktisch jederzeit über ein automatisch angelegtes, übersichtliches Diagramm zu jedem beliebigen Punkt der Story springen – also auch zu den großen Entscheidungsmomenten samt Abzweigung. Und selbst wenn es dieses Feature nicht gäbe, so müsst ihr keinen bereits gelösten Raum noch einmal komplett durchrätseln. Die Passwörter für den Schlüssel zur Freiheit werden nämlich ebenso vom Spiel gespeichert. Man kombiniere dies alles mit der Möglichkeit, bereits gelesene Textpassagen vorspulen zu können, und die 22 Enden erscheinen gar nicht mal mehr so sehr außer Reichweite. Eine erfreuliche Entwicklung, finden wir. Und wo wir gerade auf den Vorgänger zu sprechen kommen: Zum Genuss des Spiels ist es nicht zwingend notwendig, 999 gespielt zu haben. Die generelle Handlung lässt sich auch so problemlos verstehen. Es sei euch allerdings dennoch tunlichst ans Herz gelegt, dies zu tun. Nicht nur, weil der erste Zero Escape-Teil uneingeschränkt spielenswert ist, sondern auch, weil Virtue's Last Reward einige bedeutende Twists des Vorgängers ungefiltert anspricht und euch sonst einige verknüpfende Details zwischen den Spielen entgehen.

Grafik:
Was wäre eine Visual Novel ohne begleitendes Bildmaterial zur Geschichte, die sich vor unseren Augen entfaltet? Richtig, nur ein Buch. Leider merkt man Virtue's Last Reward an, dass es sich um einen Multiplattform-Titel handelt – und dass die andere Version für den 3DS ist. Dass die Umgebungen größtenteils eher kalt und verrottet wirken, mit vorherrschenden Grautönen und sparsam eingesetzten Farben, mag beabsichtigt sein. Die teils äußerst schwach texturierten Objekte hingegen wirken einfach unschön auf dem wesentlich höher aufgelösten Display. Immerhin: Die Charakter-Animationen bei den Dialogen hauchen dank wohlüberlegten Bewegungen – von kleinen Ausrutschern wie Clovers Dauergegrinse abgesehen – den Akteuren gekonnt Leben ein.

Sound:
Bedrückende Tracks bei bedeutsamen Gesprächen, treibende Melodien für die Flucht-Sequenzen – das erwartet euch hier. Entsprechend stimmig wirkt das Gesamtkonstrukt; es unterstützt die zumeist bedrückende Atmosphäre der Visual Novel. Und wenn dann doch mal herzerwärmende Details ausgeplaudert werden, weiß das die Musik ebenso zu würdigen. Ein Ohrenschmaus. Segen und Fluch zugleich: Die Sprachausgabe. Die liegt nämlich bei der europäischen Version nur im Japanischen vor, was Freunde des O-Tons sicherlich erfreut. Wenn dies aufgrund notwendiger Anpassungen in der Textlänge allerdings dazu führt, dass manche Zeilen ewig lange zum automatischen Scrollen (was sich beschleunigen lässt) brauchen oder riesige Absätze in Sekundenschnelle auf dem Bildschirm aufploppen, dann wünschen wir uns doch eine englische Tonspur hinzu, die auf solche Dinge abgestimmt ist – wie es übrigens bei der US-Version auch der Fall ist. Schade, denn das macht vor allem die automatische Abspielfunktion in der europäischen Auflage leicht unpraktikabel. Und wo wir schon bei den Sprachen sind: Englischkenntnisse sind leider auch in der hiesigen Version notwendig. Publisher Rising Star Games hat dem Spiel nämlich keine deutsche Übersetzung spendiert.



Fazit:
Der Vorgänger 999 auf dem DS war etwas Besonderes. Ein kleines Meisterwerk der Erzählkunst. Kann Virtue's Last Reward das Spiel übertrumpfen? Nun, zugegebenermaßen nicht ganz, doch es kommt verflixt nah ran. Es bietet euch wiedermals eine Gruppe von unscheinbaren und doch interessanten Menschen, mit denen ihr euch bekannt macht. Es stellt euch vor die Wahl, ob ihr euren Mitgefangenen vertraut oder ob ihr ihnen kaltblütig in den Rücken fallt. Es wirft Fragen über Moral und das Gutmenschsein auf, welche Entscheidungen rein egoistisch sind und welche für eine gerechte Sache stehen. Und es ist eine Geschichte, die euch nach Betrachtung des letzten Endes noch lange in Erinnerung bleibt – sei es aufgrund der facettenreichen Charaktere oder der erschütternden Wendungen, die euch auf dem Weg zu den zahlreichen Enden erwarten. Wenn jetzt noch die Steuerung richtig mitspielen würde und die Rätsel einen Tick anspruchsvoller wären, hätten wir praktisch nichts zu bemängeln. Doch auch so gilt: Wenn ihr auch nur einen Funken für hochspannende Mystery-Stories übrig habt, des Englischen mächtig seid und auch vor großen Textmengen nicht zurückschreckt, dann führt an Virtue's Last Reward schlicht und ergreifend kein Weg vorbei. Dieses Juwel solltet ihr euch nicht entgehen lassen!

Muss eine Entscheidung fällen: Tjark Michael Wewetzer für PlanetVita.de

Leserwertung:

Noch keine
Deine Wertung:

-
Fesselnd, ergreifend, einmalig – Dieser Thriller gehört in die Sammlung eines jeden Fans von packenden Handlungen.

Wertung

STORY:

9.0

RÄTSEL:

7.0

ATMOSPHÄRE:

9.0
9
von 10

Mitreißende Story

Glaubwürdige Charaktere

Japanische Vertonung...

22 Enden

Viele Komfortfunktionen

Optisch schwach

Texte komplett in Englisch

…aber keine englische Tonspur

Steuerung gewöhnungsbedürftig

Wie werten wir?

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