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Spielname:
Root Letter

Typ:
PSVita-Spiel

Publisher:
PQube

Developer:
Kadokawa Games

Genre:
Adventure

Release:
28.10.2016 (erschienen)

Multiplayer:
nicht vorhanden

Altersfreigabe:
Frei ab 12 Jahre

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Review: Root Letter

Tjark Michael Wewetzer, 19.11.2016

1264°

2

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In einer steinzeitlichen Welt vor der Verbreitung des Smartphones, ja noch bevor das Internet so richtig fest Gestalt annahm und seinen Platz im Leben der weiten Bevölkerung fand, da kommunizierten Menschen über ein antikes Medium, für das viele tapfere Bäume ihr Leben ließen: Briefe! Manche, so sagt man, führten auf diesem Wege regelmäßige Gespräche, selbst wenn die Übermittlung der Nachricht je nach Zusteller gerne mal mehrere Tage in Anspruch nehmen konnte. Es soll sogar Leute geben, die Freundschaften allein über den Briefverkehr geführt haben! Und um so eine Person geht es in Root Letter - oder genauer gesagt um das Mysterium derer Brieffreundin.

Sünden der Vergangenheit
Zu Beginn findet der frei benennbare Protagonist mit dem Standardnamen Takayuki unter den zehn Schriften seiner alten Brieffreundin Aya Fumino einen mysteriösen elften Brief, den er nie zuvor gesehen hat. Der Inhalt bereitet ihm Sorgen, teilt ihm die Dame doch mit, dass sie augenscheinlich jemandem das Leben geraubt habe und für diese Sünde büßen wolle. Das alles mag nun fünfzehn Jahre her sein – der Briefwechsel hielt sich nur bis ins dritte Jahr der japanischen High School und Takayuki ist mittlerweile erwachsen – doch wirklich Ruhe lässt ihm das nicht. Da er ohnehin gerade seinen letzten Job gekündigt und damit Zeit hat, macht er sich also auf nach Matsue in der Shimane-Präfektur, wo Aya lebte. Er hofft, dort auf Antworten zu stoßen und herauszufinden, was vor 15 Jahren vorgefallen ist. Nur leider ist das einfacher gesagt als getan, denn viel mehr Hinweise als die zehn anfänglichen Briefe hat er nicht. Immerhin erwähnte Aya in besagten Dokumenten immer wieder ihren Freundeskreis, die es nun nach und nach aufzuspüren gilt.

Statt dabei stramm nach Visual-Novel-Manier am Dialogfaden entlanggezogen zu werden, gibt euch Root Letter ein wenig Bewegungsfreiheit. Nach dem Vorbild der Ace Attorney-Spiele für den DS dürft ihr nämlich über ein Menü entweder den Schauplatz wechseln, anwesende Personen ansprechen oder den aktuellen Bildschirm nach Hinweisen oder anderen interessanten Sehenswürdigkeiten abgrasen. Von Letzteren gibt es übrigens einige, denn die Macher haben für dieses Spiel diverse Gegenden der realen Shimane-Präfektur zu digitalem Papier gebracht. Trotz dieser vorgegaukelten Freiheit zerrt euch das Spiel allerdings genregemäß stets linear durch das Spiel und reißt euch beizeiten auch mal einfach die Kontrolle aus der Hand, wenn ihr bei den Untersuchungen auf den richtigen Trigger für den nächsten Dialog gestoßen seid – dann geht es direkt weiter. Nervig, wenn man sich erst einmal ein Bild von der Lage machen möchte! Auch andere an sich nette Gameplay-Ideen wollen nicht so recht fruchten.

Die Leiden des jungen Takayuki
In vielen der Kapitel stellt ihr zum Beispiel die erwähnten Freunde von Aya und versucht, sie im Verhör bei euren Ermittlungen zum Auspacken zu überzeugen. Dabei wird euch ein fester Satz an Gegenständen und Gesprächsthemen vorgegeben, die ihr lediglich in der richtigen Reihenfolge abzuklappern habt. Macht ihr zu viele Fehler, endet das Spiel. Leider sind die Antworten dabei nicht immer eindeutig, weswegen in manchen Fällen nervige Raterei notwendig wird – selbst die jederzeit aufrufbaren Tipps helfen hier nicht unbedingt. Besonders lästig wird es im sogenannten Max-Modus, bei dem euch nach einem bestimmten Rhythmus verschiedene Antwortmöglichkeiten gegeben werden und ihr die richtige auszusuchen habt. Die richtige Lösung ist hier nur selten eindeutig, gnädigerweise wird euch die Falschauswahl aber auch nicht negativ angerechnet.

Und damit kommen wir auch zur größten Crux von Root Letter: Die mäßigen bis miesen Texte. Diese beschränken sich nicht nur auf unklare Antworten in den Fragerunden, sondern ziehen sich praktisch durch das ganze Spiel. Immer wieder werden banale Informationen wiederholt, meist sogar innerhalb weniger Textboxen. Zum Einschlafen! In der (komplett englischen) Lokalisierung gehen dann noch einige Wortspiele in der Übersetzung verloren, viele Begriffe wurden uneinheitlich ins Englische übertragen und allgemein wirken die Texte staubtrocken - wenn sich nicht sogar gleich waschechte Fehler eingeschlichen haben. Hinzu kommt, dass das anfängliche Mysterium um die Brieffreundin im Mittelteil ziemlich an Zugkraft verliert, weil ihr euch bei eurer Suche nach Hinweisen eben mit so viel unwichtigem Kleinkram aufhaltet. Theoretisch sollen die Schicksale von Ayas ehemaligen Schulkameraden euch in der Zwischenzeit an die Konsole fesseln, die Handlungen von Takayuki machen dies jedoch schwer. Er benimmt sich bei seinen Nachforschungen – das lässt sich nicht beschönigen – wie der letzte Vollhorst. Um den Geheimnissen des Vorfalls auf den Grund zu gehen, droht er der Clique, setzt sie psychisch unter Druck und tritt zudem immer feste nach. Auch bei seinen Streifzügen durch die Stadt zeigt er nur zu gerne seine unfreundliche Seite. Ein derartig unsympatischer Hauptcharakter drückt ziemlich auf die Motivation!

Und das ist schade, da das Spiel mit seinen insgesamt fünf grundverschiedenen Enden, die die Erzählung sogar in komplett andere Geschichts-Genres übergehen lassen, durchaus an Stoff für wiederholte Spieldurchgänge bietet. Das will man auch hoffen, wo doch der erste Spieldurchgang nach unter zehn Stunden bereits wieder vorbei ist! Der Clou dabei: Es finden sich für all diese Enden reichlich Hinweise im gemeinsamen Handlungsverlauf – ganz ungeachtet der Tatsache, dass sie das Finale in völlig andere Richtungen tragen. Allerdings scheitern die Story-Schreiber an ihren Ambitionen: In zwei recht kurzen Kapiteln werden die vorher gesponnenen Fäden übereilt zusammegewoben, wodurch alle Abschlüsse außer dem wahren Ende wie aus heiterem Himmel und damit höchst unbefriedigend wirken. Immerhin müsst ihr bei euren erneuten Anläufen nicht alle Ermittlungen erneut durchführen, sondern könnt einen Großteil der Kapitel ab dem zweiten Anlauf komplett überspringen – lediglich die für die End-Auswahl notwendigen Briefantworten zu Beginn der Kapitel müsst ihr über euch ergehen lassen.



Fazit:
Root Letter hat im Prinzip alles, was es für eine spannende Erzählung im Mystery-Genre braucht. Eine ungewöhnliche Ausgangslage um eine alte Brieffreundin mit dunkler Vergangenheit. Eine malerische Stadt mit einer eingeschworenen Nachbarschaft. Sieben potentiell interessante Charaktere, deren High-School-Zeit mit euren Nachforschungen verknüpft ist. Da kann doch eigentlich nichts mehr schiefgehen! Doch in den Händen der ungeschicktesten Künstler kann auch das beste Material an Glanz einbüßen. Allein der total unsympathische Hauptcharakter macht vieles kaputt. Nachdem wir den zweiten der ehemaligen Schulkameraden seiner Brieffreundin eingeschüchtert hatten, wollten wir unserem angeblichen Protagonisten am liebsten eine fenstern. Die furchtbar gestreckten Texte mit ihren vielen redundanten Passagen sorgen dann noch für Langeweile, diverse Ungereimtheiten in der Lokalisierung schinden ebenfalls nicht gerade Eindruck. Gerade Letzteres nervt bei den Ermittlungen, weil ihr so immer über Passagen stolpert, bei denen die richtige Antwort oder das weitere Vorgehen nicht eindeutig ist. Was bleibt, ist eine unterdurschnittliche Visual Novel mit seichtem Adventure-Einschlag, die weit hinter ihrem Potential zurückbleibt. Und das frustriert ungemein!

Papierschredder: Tjark Michael Wewetzer für PlanetVita.de

Leserwertung:

Noch keine
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-
Zu schade ums Porto: Ein Musterbeispiel dafür, wie man ein spannendes Szenario in den Sand setzen kann.

Wertung

STORY:

4.0

RÄTSEL:

2.0

TEXTE:

2.0
3
von 10

Spannendes Storykonzept mit Potential…

Malerische Umgebungen

…das weitestgehend ungenutzt bleibt

Durch Wiederholungen gestreckt wirkende Texte

Staubtrockene, viel zu wörtliche Übersetzung

Diverse unklare Passagen…

…was gerade bei Rätseln nervt

Unsympathischer Hauptcharakter

Äußerst kurz

Keine deutschen Texte

Wie werten wir?

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2 Kommentare